Blutspende beim Hund: Voraussetzungen, Ablauf, Bedarf
Ein Hund kann Blut spenden, wenn er gesund und älter als ein Jahr ist. Am besten geeignet sind Hunde ab etwa 20 bis 25 Kilo, regelmäßig geimpft und entwurmt, die selbst nie eine Transfusion bekommen haben und keine Medikamente erhalten. Pro Spende werden etwa 10 Milliliter je Kilo Körpergewicht entnommen, höchstens alle drei Monate. So beschreiben es Barbara Kohn und Christiane Weingart von der Kleintierklinik der Freien Universität Berlin im Deutschen Tierärzteblatt 4/2026. Eine Blutbank, die ganz Deutschland versorgt, gibt es nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Wer spenden kann: gesund, über 1 Jahr, ab etwa 20 bis 25 kg, geimpft, entwurmt, gegen Zecken und Flöhe geschützt, nie transfundiert, keine Medikamente.
- Wer eher nicht: Hunde unklarer Herkunft oder nach Aufenthalten im südlichen oder südöstlichen Ausland, wegen Infektionen, die Mücken und Zecken übertragen. Sie spenden nur in Ausnahmefällen und nach umfangreichen Tests.
- Wie viel: etwa 10 ml je kg Körpergewicht, nicht öfter als alle drei Monate (FU Berlin). Ein Blutbeutel fasst 450 bis 500 ml.
- Blutgruppe: Rund 40 Prozent der Hunde in Deutschland sind DEA 1 negativ und damit als Universalspender besonders gefragt.
- Keine Blutbank: Jede Praxis darf Blut nur für die eigenen Patienten verwenden. Großbritannien hat dagegen eine landesweite Blutbank mit über 3.700 Spenden im Jahr.
Wer Blut spenden kann
| Kriterium | Empfehlung |
|---|---|
| Alter | über 1 Jahr |
| Gewicht | ab etwa 20 bis 25 kg |
| Gesundheit | gesund, Blutwerte im Referenzbereich, keine Medikamente |
| Vorsorge | regelmäßig geimpft, entwurmt, Schutz gegen Zecken und Flöhe |
| Vorgeschichte | nie selbst transfundiert |
| Herkunft | möglichst keine Aufenthalte im südlichen oder südöstlichen Ausland |
| Hündinnen | auch nach einer Trächtigkeit möglich |
Kohn und Weingart, Deutsches Tierärzteblatt 4/2026. Einzelne Kliniken setzen eigene Grenzen.
Das Tierärzteblatt nennt die vielen Importhunde ausdrücklich als Grund, warum die Spendersuche „deutlich erschwert“ ist. Aber auch Hunde, die nie aus dem deutschsprachigen Raum herauskamen, können Erreger wie Anaplasmen oder Babesien tragen; je nach Region testen Kliniken deshalb zusätzlich per PCR.
Wie eine Spende abläuft
Vor jeder Spende steht eine allgemeine und eine Laboruntersuchung. Entnommen wird das Blut aus der Halsvene, meist ohne Beruhigungsmittel, im Sitzen oder Liegen. Kliniken bevorzugen deshalb „gutmütige“ Hunde. Das Blut fließt in einen Beutel mit gerinnungshemmender Lösung, eine Waage misst die Menge. An der Kleintierklinik der FU Berlin sind es etwa 10 Milliliter je Kilo Körpergewicht: bei einem 30-Kilo-Hund rund 300 Milliliter. Hämatome an der Einstichstelle lassen sich nicht ganz vermeiden.
Hilfreich sind Dauerspender, die mehrmals im Jahr kommen. Die FU Berlin hält dabei einen Abstand von etwa drei Monaten ein. Aus dem Vollblut lassen sich Rote Blutkörperchen und Plasma trennen, die für verschiedene Patienten verwendet werden können.
Blutgruppe und Universalspender
Hunde haben mehr als zwölf Blutgruppensysteme, wichtig ist vor allem DEA 1. Hunde haben keine natürlichen Antikörper gegen fremde Blutgruppen, die erste Transfusion geht deshalb meist gut. Danach kann ein DEA-1-negativer Hund, der positives Blut bekommen hat, Antikörper bilden; vor jeder zweiten Transfusion ist deshalb eine Kreuzprobe Pflicht. Wie häufig DEA 1 negativ je Rasse ist, steht im Beitrag Welche Hunde Universalspender sind: Boxer 83 Prozent, Deutscher Schäferhund 81 Prozent, Rottweiler nur 11 Prozent.
Warum es in Deutschland keine Blutbank gibt
Nach Auslegung von Bundestierärztekammer und der Arbeitsgruppe Tierarzneimittel der Länder (2023) darf eine Praxis oder Klinik Blut gewinnen, daraus Blutkonserven herstellen und sie bei eigenen Patienten verwenden, ohne Herstellungserlaubnis und Zulassung. Die Abgabe oder der Versand an einen anderen Tierarzt ist dagegen nicht erlaubt. Eine Blutbank, die viele Praxen beliefert, bräuchte Erlaubnis und Zulassung. In anderen Ländern Europas gibt es kommerzielle Blutbanken, das Tierärzteblatt nennt Portugal und die Niederlande. Großbritannien hat mit der gemeinnützigen Pet Blood Bank UK eine landesweite Blutbank für Hunde; mehr dazu im Beitrag Großbritannien hat eine Blutbank für Hunde.
Wie viel Blut Deutschland bräuchte: eine Hochrechnung
Wie viele Blutspenden Hunde in Deutschland brauchen, zählt niemand. Eine Größenordnung lässt sich aber aus Großbritannien ableiten. Diese Rechnung ist unsere eigene, keine gemessene Zahl:
| Schritt | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Spenden der Pet Blood Bank UK, Geschäftsjahr 2024/25 | über 3.700 | Jahresbericht |
| Hunde in Großbritannien 2024 | 10,6 bis 13,5 Mio. | PDSA bzw. UK Pet Food |
| Spenden je Million Hunde | 274 bis 349 | berechnet |
| Hunde in Deutschland 2025 | 10,0 Mio. | IVH/ZZF |
| Bedarf Deutschland, Untergrenze | 2.740 bis 3.490 Spenden im Jahr | berechnet |
| Spenderhunde bei 2 Spenden im Jahr | 1.370 bis 1.745 | berechnet |
Die britischen Hundezahlen stammen aus zwei Umfragen mit verschiedenen Methoden: PDSA PAW Report 2024 (10,6 Mio.) und UK Pet Food 2024 (13,5 Mio.).
Die britische Zahl ist eher eine Untergrenze: Die Pet Blood Bank meldete im Dezember 2025 kritisch knappe Bestände (Vet Times), und Kliniken sammeln zusätzlich eigenes Blut. Rechnerisch würde in Deutschland schon reichen, wenn etwa jeder 6.000. bis 7.000. Hund zweimal im Jahr spendet.
Was die Zahlen nicht sagen
- Die Hochrechnung ist keine Messung. Sie überträgt die britische Spendenmenge auf die deutsche Hundezahl. Behandlungsgewohnheiten und Klinikdichte können sich unterscheiden.
- Die Kriterien sind Empfehlungen. Kliniken setzen eigene Grenzen bei Gewicht, Alter und Tests.
- Katzen sind ein eigenes Thema: Sie haben natürliche Antikörper gegen fremde Blutgruppen, jede Transfusion braucht deshalb eine passende Blutgruppe.
Häufige Fragen
Welcher Hund darf Blut spenden?
Gesunde Hunde über ein Jahr, am besten ab etwa 20 bis 25 kg, geimpft, entwurmt, nie selbst transfundiert und ohne Medikamente. Hunde aus dem südlichen oder südöstlichen Ausland nur nach umfangreichen Tests.
Wie viel Blut wird einem Hund bei der Spende abgenommen?
An der Kleintierklinik der FU Berlin etwa 10 Milliliter je Kilo Körpergewicht, höchstens alle drei Monate. Bei einem 30-Kilo-Hund sind das rund 300 Milliliter.
Gibt es in Deutschland eine Blutbank für Hunde?
Keine landesweite und keine kommerzielle. Kliniken und Praxen führen eigene Spenderlisten, dürfen Blut aber nicht an andere Tierärzte abgeben.
Quelle und Methode
Kohn und Weingart, Transfusionsmedizin beim Hund. Eine Übersicht, Deutsches Tierärzteblatt 2026; 74 (4), mit Verweis auf die BVL-Leitlinien zu Blutprodukten und die Auslegung von BTK und AG Tierarzneimittel (2023). Großbritannien: Jahresberichte der Pet Blood Bank UK bei Companies House. Hundezahlen: PDSA, UK Pet Food, IVH/ZZF. Alle abgerufen am 5. November 2026. Berechnet sind die Spenden je Million Hunde, der Bedarf für Deutschland, die Zahl der Spenderhunde und das Beispiel für 30 kg.