Tiermedizin in Zahlen

Woher die Zahlen kommen

Zwölf Beispiel-Datensätze aus der deutschen Tiermedizin, zehn davon mit ausschließlich publizierten Zahlen, zwei als ausgewiesene Modellreihen. Diese Seite sagt für jeden einzelnen, aus welcher Quelle er stammt, wo eine Annahme getroffen werden musste, was für die Darstellung aufbereitet wurde und wann zuletzt gegen die Quelle geprüft wurde.

Wie eine eigene Tabelle aufgebaut sein muss, damit das Studio sie liest, steht in der Anleitung mit unserem Datenstandard.

Stand 23. September 2026 · von Thomas Freimoser

Warum das Datum wichtig ist: Amtliche Statistiken erscheinen jährlich, Unternehmensangaben ändern sich laufend. Jeder Datensatz trägt deshalb ein Recherche- und ein Prüfdatum. Was älter als ein Jahr ist, wird vor der Wiederverwendung erneut gegen die Quelle gehalten – nicht stillschweigend fortgeschrieben.

Drei Grundsätze

Nur publizierte Werte. Wo eine Zahl fehlt, steht eine Lücke, kein geschätzter Ersatz. Ausnahmen sind ausdrücklich gekennzeichnet, und zwar im Datensatz selbst, nicht nur hier.

Methodenbrüche werden gezeigt, nicht geglättet. Wenn eine Behörde ihre Kategorien ändert, entsteht ein Versatz in der Kurve. Den zu begradigen wäre bequem und falsch.

Gegenprobe an der Quelle selbst. Wo eine Quelle irgendwo einen Anteil oder eine Größenordnung nennt, wird die eigene Aufbereitung daran gemessen. Eine Zuordnung, die der eigenen Quelle widerspricht, wird verworfen – auch wenn sie plausibler aussieht.

Tierarztpraxen im Wandel: Inhaber vs. Angestellte

Quelle: Statistik der Deutschen Tierärzteschaft der Bundestierärztekammer, jährlich im Deutschen Tierärzteblatt. Heimtierzahlen von IVH und ZZF. Zeitraum: 1991 bis 2025.

Annahmen: Für 1991 bis 1995 lagen nur gedruckte Jahrgänge vor; die Werte stammen aus einer Dissertation, die sie zitiert. Die Reihe „Tätig außerhalb von Praxen“ ist nicht publiziert, sondern ergibt sich aus den veröffentlichten Gesamt- und Praxiszahlen. Die Heimtierreihe hat 2012 einen Methodenbruch, weil die Verbände ihre Erhebung umgestellt haben.

Lücken: Die Niedergelassenen sind lückenlos belegt, bei den Angestellten fehlt 2002. Bei den tierärztlich Tätigen fehlen 1992, 1993 und 2001, bei Hunden und Katzen 1992. Diese Jahre werden überbrückt.

Aufbereitet: Die Heimtierzahlen laufen auf einer zweiten Achse rechts, weil sie eine andere Einheit haben. Sie sind nicht mit den Tierarztzahlen verrechnet.

Recherchiert 14.09.2026 · zuletzt geprüft 16.09.2026

Angestellte überholen die Praxisinhaber

Quelle: dieselbe Statistik der Bundestierärztekammer wie oben, 1991 bis 1995 nach einer Dissertation, die die gedruckten Jahrgänge zitiert. Zeitraum: 1991 bis 2025.

Annahmen: Keine eigenen. Gezählt werden approbierte Kammermitglieder als Personen, nicht Vollzeitstellen; „Angestellte“ hießen in älteren Jahrgängen „Praxisassistent:innen“ und sind angestellte Tierärztinnen und Tierärzte, keine Tiermedizinischen Fachangestellten. Die Inhaber sind lückenlos belegt, bei den Angestellten fehlt 2002. Gegenprobe: Der Tierärzte Atlas 2024 nennt für Ende 2023 rund 11.400 auf beiden Seiten, die Reihe zeigt 11.437 zu 11.429.

Aufbereitet: Nur die zwei Reihen, um die es geht. Mit der Gesamtzahl der Tätigen daneben reichte die Achse bis 35.000, und der Wechsel bei 11.000 zu 12.000 wäre nicht mehr zu erkennen.

Recherchiert 14.09.2026 · zuletzt geprüft 22.09.2026

Die Kleintierpraxis wird zum Normalfall

Quelle: dieselbe Statistik der Bundestierärztekammer, 1991 bis 1995 nach einer Dissertation von 1998. Zeitraum: 1991 bis 2025.

Annahmen: Die Kammer hat die Kategorien viermal umbenannt und fragt seit 2019 Pferde getrennt ab; sie schließt die Vergleichbarkeit mit den Vorjahren selbst aus. Die Reihen laufen hier trotzdem durch, weil sich die neuen Kategorien definitorisch auf die alte Dreiteilung abbilden lassen – die Kammer schreibt selbst, dass Pferde vorher unter Großtiere liefen. Es wird nichts geschätzt, alle Werte sind Summen publizierter Kategorien. Die Zuordnung ist an der einzigen Verteilung geprüft, die die Kammer nennt. 1996 bis 2000 und 2005 fehlen in der Quelle, 2006 ist wegen einer Fehlmeldung unbrauchbar. 2019 bis 2023 beantworten nur 91 bis 96,5 Prozent der Niedergelassenen die Frage, davor praktisch alle.

Aufbereitet: Der Versatz 2019 bleibt sichtbar. Die 1990er-Zeile ist entfernt, weil sie nur die alten Bundesländer umfasst und der Sprung sonst als Entwicklung gelesen würde.

Recherchiert 15.09.2026 · zuletzt geprüft 17.09.2026

Der Aufstieg der Tierarztketten

Quelle: Angaben der Betreiber, Bundeskartellamt, Fachpresse; der Gesamtmarkt ist am Tierärzte Atlas Deutschland 2024 verankert. Zeitraum: 2015 bis 2026.

Annahmen: Hier wird bewusst geschätzt, weil es keine amtliche Erfassung gibt. Jeder einzelne Wert ist markiert: belegt, belegte Untergrenze aus einer „über X“-Aussage, Praxenzahl als Näherung für Standorte, oder geschätzt. Der einzige externe Gesamtanker ist die Atlas-Recherche vom August 2024 mit rund 450 Standorten von 16 Ketten. Alles davor und danach ist Modellrechnung, für 2026 mit einem Unsicherheitsband von 550 bis 610.

Aufbereitet: Die Reihe ist lückenlos, damit der Trend lesbar bleibt. Einkaufsgemeinschaften und Kooperationsnetzwerke sind ausgeschlossen, auch wenn sie mehr Praxen umfassen als jede Kette – sie besitzen keine. Die ausführliche Fassung steht im Artikel über die Tierarztketten.

Recherchiert 16.09.2026 · zuletzt geprüft 17.09.2026

Worauf sich Tierärztinnen und Tierärzte spezialisieren

Quelle: Bundestierärztekammer, Zentrale Tierärztedatei. Zeitraum: 2007 bis 2025.

Annahmen: Die Gebietsbezeichnung für Kleintiere heißt über die Jahre dreimal anders, meint aber dasselbe. Die Zählbasis wechselt: 2005 nur bis 65 Jahre, ab 2006 alle Titelträger einschließlich Ruheständler. Beide Jahre bleiben deshalb draußen. 2015 bis 2017 und 2020 hat die Kammer keine Bestandstabelle veröffentlicht. Pferde 2012 bleibt leer, weil die Quelle die Werte dort offensichtlich unter Pferdechirurgie verbucht.

Auffällig, aber so publiziert: Mikrobiologie springt 2013 auf 605 und fällt danach auf 494 zurück, ohne Sprung bei den aktiv Tätigen. 2025 sinken zehn von elf Gebieten zusammen um 412 Titel; rund 330 davon gehen darauf zurück, dass die Kammer Berlin seitdem nur noch aktive Fachtierärzt:innen meldet.

Aufbereitet: Die fehlenden Jahre werden überbrückt, damit die Zeitachse linear bleibt.

Recherchiert 15.09.2026 · zuletzt geprüft 23.09.2026

Wo die Kleintiermedizin wächst

Quelle: Bundestierärztekammer nach Kammerbereich. Zeitraum: 2002 bis 2018.

Annahmen: Die Reihe endet bewusst 2018. Ab 2019 ändert die Kammer die Kategorien, und mehrere Kammern melden „keine Angabe“ – Bremen durchgehend, Mecklenburg-Vorpommern fünf Jahre. Im Balkenrennen würden diese Länder scheinbar verschwinden. Nordrhein und Westfalen-Lippe sind zu Nordrhein-Westfalen addiert.

Aufbereitet: 2005 fehlt in der Quelle, 2006 ist wegen einer Fehlmeldung unbrauchbar.

Recherchiert 15.09.2026 · zuletzt geprüft 15.09.2026

Tierärztinnen und Tierärzte je Bundesland

Quelle: Mitgliederzahlen der Landestierärztekammern zum 31. Dezember. Zeitraum: 2002 bis 2025.

Annahmen: Vor 2002 stellt die Kammer keine Regionaldaten bereit; die Reihe kann nicht weiter zurückreichen. Für 2002 bis 2005 stammen die Werte aus archivierten Jahrgängen.

Aufbereitet: Nordrhein und Westfalen-Lippe zusammengefasst, damit 16 Länder vergleichbar sind.

Recherchiert 14.09.2026 · zuletzt geprüft 15.09.2026

Heimtiere in Deutschland

Quelle: Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe und Industrieverband Heimtierbedarf. Zeitraum: 1991 bis 2025.

Annahmen: Die Verbände haben ihre Erhebung 2012 umgestellt, was zu einem sichtbaren Sprung führt. Die Neunziger stammen aus archivierten Jahresberichten; 1992 überspringt die Verbandsreihe selbst, ein kursierender Wert für 1992 widerspricht der übrigen Reihe und ist nicht enthalten. Aquarien fehlen 1999, weil die Quelle jenes Jahres Zierfische statt Aquarien zählt.

Aufbereitet: Trotz des Bruchs eine durchgehende Linie je Tierart, der Bruch ist benannt.

Recherchiert 14.09.2026 · zuletzt geprüft 16.09.2026

Wofür Herrchen und Frauchen ihr Geld ausgeben

Quelle: Umsatzzahlen des Heimtiermarkts nach Segment. Zeitraum: 2011 bis 2025.

Annahmen: Der Online-Handel wird erst ab 2013 getrennt ausgewiesen und ist segmentübergreifend – er ist also keine saubere Ergänzung zu den übrigen Reihen, sondern überschneidet sich mit ihnen.

Aufbereitet: Werte in Millionen Euro, keine Inflationsbereinigung.

Recherchiert 15.09.2026 · zuletzt geprüft 16.09.2026

Hund oder Katze – was ist wo häufiger?

Quelle: FEDIAF, Europäische Kommission, AVMA, Japan Pet Food Association, CAHI, AVA, USDA, IBGE und Instituto Pet Brasil, China Pet Industry White Paper und PetData. Zeitraum: 2000 bis 2026, 197 Länder.

Annahmen: Hier wird bewusst modelliert. Echte Anker gibt es für Europa, die USA, Japan, Kanada, Australien, Brasilien, Russland, die Philippinen und China; zwischen zwei Ankern wird geometrisch interpoliert, davor mit gedeckelter Wachstumsrate zurückgerechnet. Für die meisten übrigen Länder stammen die Werte aus Regionsannahmen, 2026 ist durchgehend Projektion. China und Brasilien wurden gegen ihre nationalen Erhebungen korrigiert. Gegenprobe 2018 gegen Euromonitor: 4,3 Prozent weniger Hunde und 10,1 Prozent weniger Katzen als dort genannt.

Aufbereitet: Gezeigt wird der Hundeanteil an Hunden und Katzen zusammen, 50 Prozent ist der Kipppunkt. Länder ohne Daten bleiben grau. Der Datensatz ist in der Oberfläche als Beispieldaten markiert.

Recherchiert 23.09.2026 · zuletzt geprüft 23.09.2026

Beliebteste Hunderassen

Quelle: Welpenstatistik des Verbands für das Deutsche Hundewesen. Zeitraum: 1992 bis 2025.

Annahmen: Gezählt werden nur im VDH-Zuchtbuch registrierte Würfe. Rassen, die überwiegend außerhalb der Verbandsstrukturen gezüchtet werden, erscheinen dadurch viel kleiner, als sie im Straßenbild sind – die Französische Bulldogge ist das deutlichste Beispiel. Die Onlinetabellen beginnen 1992; früher geht es nachweislich nicht.

Aufbereitet: Enthalten sind 47 Rassen: alle 33, die seit 1992 je unter den ersten 20 standen, und weitere. Schreibweisen wurden über die Jahrgänge vereinheitlicht, sonst wären Reihen mitten im Zeitraum abgerissen.

Recherchiert 14.09.2026 · zuletzt geprüft 15.09.2026

Rinderbestand je Bundesland

Quelle: Viehbestandserhebung des Statistischen Bundesamts, Regionaldaten über Eurostat und die Aufbereitung des Landwirtschaftsministeriums. Zeitraum: 1991 bis 2025.

Annahmen: Der Stichtag der Zählung wechselt – bis 1997 Dezember, 1998 November, dann überwiegend Mai, seit 2010 November. Rinderbestände schwanken saisonal um ein bis zwei Prozent, deutlich weniger als der langfristige Rückgang. Der Einbruch Anfang der Neunziger in den neuen Ländern ist real und kein Gebietsstandsbruch.

Aufbereitet: Werte in Tausend Tieren, ohne die Stadtstaaten. Die 2010er-Werte beider Quellen stimmen überein, die Reihen fügen sich also nahtlos. Sachsen-Anhalt 2002 fehlt in der Quelle und wird überbrückt.

Recherchiert 14.09.2026 · zuletzt geprüft 14.09.2026

Was hier nicht steht

Diese Seite nennt Quellen, Annahmen und Stand. Wie aus einer Tabelle am Ende ein Video wird – die Aufbereitung der Zeitachse, die Behandlung von Lücken, das Layout je Format und der Export – steht bewusst nicht hier. Das ist die Arbeit hinter dem Werkzeug.

Fehler gefunden? Sehr willkommen. Jeder Datensatz nennt seine Quelle direkt in der Oberfläche, die Überprüfung ist also in wenigen Minuten möglich.