Tierarztkosten seit 2000 im Vergleich zur Inflation
Ja, seit 2000 sind die Tierarztkosten stärker gestiegen als die Verbraucherpreise insgesamt: plus 85 Prozent gegenüber plus 66 Prozent laut Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts. Bei den Routineleistungen ist der Abstand viel größer. Ein Routinejahr mit einer Impfung und einem Krankheitsbesuch kostet nach der Gebührenordnung für eine Katze heute 83,59 Euro, 3,2-mal so viel wie 2000. Beim Hund ist es das 2,4-Fache, beim Pferd das 2,2-Fache. Fast der ganze Anstieg kam auf einmal: Bis 2021 lagen die Gebühren unter der Inflation.
Das Wichtigste in Kürze
- Tierarztleistungen insgesamt: plus 85 Prozent von 2000 bis 2026, Verbraucherpreise insgesamt plus 66 Prozent (Destatis, 2026 vorläufig).
- Routinejahr, einfacher Satz mit Mehrwertsteuer: Katze von 26,10 auf 83,59 Euro (plus 220 Prozent), Hund von 34,40 auf 83,59 Euro (plus 143 Prozent), Pferd von 45,08 auf 100,63 Euro (plus 123 Prozent). Der Warenkorb ist eine eigene Rechnung aus der Gebührenordnung.
- 21 Jahre unter der Inflation: Von 2000 bis 2021 stieg das Routinejahr um 29 Prozent, die Verbraucherpreise um 37 Prozent. In jedem dieser Jahre lag der Korb darunter.
- Die GOT 2022 brachte im Schnitt plus 37,5 Prozent. So viel sprang der Preisindex im Dezember 2022. Routineleistungen stiegen weit stärker, manche Operationen gar nicht.
- Zum Vergleich: Die Maß auf der Wiesn wurde im selben Zeitraum um 147 Prozent teurer, von 6,35 auf 15,69 Euro. Im Exkurs Oktoberfest stehen plus 390 Prozent, weil er 1985 bei 3,20 Euro beginnt.
Woher die Zahlen kommen
Tierarztpreise sind keine Marktpreise wie Bier oder Brot. Sie stehen in der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), einer Verordnung des Bundes. Der Preisindex des Statistischen Bundesamts folgt ihr aufs Komma: Er bleibt jahrelang auf demselben Wert stehen und springt genau dann, wenn sich die GOT oder die Mehrwertsteuer ändert.
| Monat | Index (2020 = 100) | Sprung | Anlass |
|---|---|---|---|
| Januar 2007 | 78,3 | plus 2,6 % | Mehrwertsteuer 16 auf 19 Prozent |
| Juli 2008 | 90,4 | plus 12,4 % | GOT plus 12 Prozent, Ost-Abschlag entfällt |
| August 2017 | 101,3 | plus 12,1 % | GOT plus 12 Prozent |
| Juli 2020 | 98,7 | minus 2,6 % | Mehrwertsteuer befristet 16 Prozent |
| Dezember 2022 | 139,3 | plus 37,5 % | neue GOT ab 22. November 2022 |
| bis August 2026 | 139,3 | 0 | keine Änderung |
Verbraucherpreisindex, Position „Veterinär- und andere Dienstleistungen für Haustiere“, Monatswerte (Destatis, Tabelle 61111-0004). Dass der Index die Gebührensätze abbildet und keine echten Rechnungen, schließen wir aus diesem Verlauf; eine Methodenangabe dazu haben wir bei Destatis nicht gefunden.
Das erklärt die Form der Kurve: lange flach, dann ein Sprung. Die oft genannten „plus 40 Prozent“ für die GOT 2022 stimmen als Durchschnitt. Für einzelne Leistungen stimmen sie nicht.
Der Warenkorb: ein Routinejahr
Welche Leistungen der Index mischt, veröffentlicht Destatis nicht. Deshalb haben wir einen eigenen, kleinen Warenkorb gerechnet, wie ihn fast jeder Tierhalter kennt: ein Impftermin und ein Krankheitsbesuch im Jahr. Gerechnet zum einfachen Satz, also dem Mindestpreis, mit Mehrwertsteuer.
| Leistung (netto, einfacher Satz) | 2000 | 2021 | 2026 |
|---|---|---|---|
| Untersuchung Katze | 7,16 € | 8,98 € | 23,62 € |
| Untersuchung Hund | 10,74 € | 13,47 € | 23,62 € |
| Untersuchung Pferd | 15,34 € | 19,24 € | 30,78 € |
| Impfung | 3,58 € | 4,49 € | 11,50 € |
| Injektion | 4,60 € | 5,77 € | 11,50 € |
| Routinejahr Katze | 26,10 € | 33,58 € | 83,59 € |
| Routinejahr Hund | 34,40 € | 44,27 € | 83,59 € |
| Routinejahr Pferd | 45,08 € | 58,00 € | 100,63 € |
Routinejahr: zweimal Untersuchung, einmal Impfung, einmal Injektion, mit Mehrwertsteuer. Jahresdurchschnitte nach Geltungstagen der GOT-Fassungen, D-Mark-Beträge von 1999 zum amtlichen Kurs, westdeutsche Sätze. Mit der Inflation allein kostete das Routinejahr heute 43,24 Euro (Katze), 57,00 Euro (Hund) und 74,69 Euro (Pferd) (berechnet).
Zwei Umbauten der GOT 2022 treiben den Korb:
- Hund und Katze kosten gleich viel. Bis 2022 kostete die Untersuchung einer Katze zwei Drittel eines Hundes. Seitdem gilt eine Position für Hund, Katze und Frettchen: 23,62 Euro. Bei der Katze sind das plus 163 Prozent, beim Hund plus 75 Prozent.
- Die Impfung hat keine eigene Position mehr. Früher gab es für Hund, Katze und Pferd eine Schutzimpfung zu 4,49 Euro. Heute wird sie als Injektion abgerechnet, zu 11,50 Euro.
Nicht alles wurde teurer
Bei Operationen sieht die Reform ganz anders aus. Die Kastration einer Hündin kostet heute 128,27 Euro, wenn nur die Eierstöcke entfernt werden, und 192,00 Euro mit Gebärmutter. 2021 stand für beides 160,34 Euro in der GOT. Beim Hengst dagegen hat sich die Gebühr verdreifacht.
| Kastration (netto, einfacher Satz) | 2021 | 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Rüde | 51,31 € | 70,60 € | plus 38 % |
| Hündin, Ovarektomie | 160,34 € | 128,27 € | minus 20 % |
| Kater | 19,24 € | 30,32 € | plus 58 % |
| Kätzin, Ovarektomie | 57,72 € | 56,48 € | minus 2 % |
| Hengst | 64,14 € | 192,00 € | plus 199 % |
GOT 2017, Abschnitt G 5; GOT 2022, Nr. 368, 377, 378, 600, 601. Bis 2022 unterschied die GOT bei der weiblichen Kastration nicht nach Methode.
Wer die Praxen heute führt und wer dort arbeitet, steht in den Artikeln über die Eigentümer der Tierarztketten und über angestellte Tierärzte und Praxisinhaber. Den Vergleich zur Maß und wie das Diagramm Säulen und Linien kombiniert, zeigt der Exkurs Oktoberfest in Zahlen.
Und was zahlen Tierhalter wirklich?
Das kann keine Statistik sagen. Die GOT legt einen Rahmen fest: vom einfachen bis zum dreifachen Satz, im Notdienst bis zum vierfachen, dazu seit Februar 2020 eine Notdienstgebühr von 50 Euro. Welchen Faktor Praxen tatsächlich berechnen, erfasst keine amtliche Erhebung. Auch die Haushaltsbefragungen des Statistischen Bundesamts weisen Tierarztausgaben nicht gesondert aus (geprüft am 07.10.2026).
Wie stark der Faktor die echte Rechnung verschiebt, zeigt ein Rechenbeispiel für das Routinejahr eines Hundes:
| Satz 2021 → 2026 | 2021 | 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| einfach → einfach | 44,27 € | 83,59 € | plus 89 % |
| zweifach → zweifach | 88,54 € | 167,17 € | plus 89 % |
| zweifach → einfach | 88,54 € | 83,59 € | minus 6 % |
Berechnet aus dem Warenkorb, mit Mehrwertsteuer.
Bleibt der Faktor gleich, steigt die Rechnung genau wie die Gebühr. Hat eine Praxis vor 2022 höher abgerechnet, um die alten Sätze auszugleichen, ist der Sprung bei ihr kleiner. Wie oft das so war, weiß niemand.
Was die Zahlen nicht sagen
- Der einfache Satz ist der Mindestpreis. Echte Rechnungen liegen oft darüber. Der Warenkorb zeigt, wie sich der gesetzliche Rahmen verschoben hat.
- Der Warenkorb ist eine Auswahl. Labor, Medikamente, Röntgen und Operationen fehlen. Der Index für Tierarztleistungen bildet die breitere Mischung ab und stieg weniger.
- Westdeutsche Sätze. Bis 2008 galt in den neuen Ländern ein Abschlag. Er fiel 2008 weg; deshalb springt der Index damals etwas stärker als der Warenkorb.
- 2026 ist teils vorläufig. Für die Verbraucherpreise gibt es noch keinen Jahresdurchschnitt, für die Maß nur die Bilanz der Stadt. 2020 und 2021 fiel die Wiesn aus; die Maß ist dort zwischen 2019 und 2022 gerechnet.
Häufige Fragen
Wann wurde die Gebührenordnung für Tierärzte zuletzt geändert?
Die aktuelle GOT gilt seit dem 22. November 2022. Seitdem gab es bis Oktober 2026 nur eine Korrektur einer einzelnen Position im März 2023. Das Bundeslandwirtschaftsministerium lässt die GOT derzeit überprüfen und erwartet Ergebnisse Ende 2026.
Um wie viel Prozent stieg die GOT 2022?
Im Durchschnitt um 37,5 Prozent; so stark sprang der Preisindex für Tierarztleistungen im Dezember 2022. Einzelne Leistungen stiegen viel stärker, die Untersuchung einer Katze um 163 Prozent. Manche Operationen wurden günstiger.
Was kostet eine Untersuchung beim Tierarzt?
Die allgemeine Untersuchung mit Beratung kostet für Hund und Katze mindestens 23,62 Euro, für das Pferd 30,78 Euro, jeweils zuzüglich Umsatzsteuer. Bis zum Dreifachen ist erlaubt, im Notdienst mehr.
Was kostet eine Impfung beim Tierarzt?
Nach der GOT mindestens 35,12 Euro netto für Hund oder Katze: 23,62 Euro für die Untersuchung und 11,50 Euro für die Injektion, dazu der Impfstoff und gegebenenfalls 6,16 Euro für die Impfbescheinigung. Bis 2022 waren es beim Hund 17,96 Euro und bei der Katze 13,47 Euro.
Sind Tierarztkosten stärker gestiegen als die Inflation?
Seit 2000 ja: plus 85 Prozent gegenüber plus 66 Prozent, bei Routineleistungen noch deutlich mehr. Bis 2021 lagen sie aber darunter. Den Ausschlag gab die neue Gebührenordnung 2022.
Quelle und Methode
Preisindizes: Statistisches Bundesamt, GENESIS-Online, Tabellen 61111-0003 (Jahre) und 61111-0004 (Monate), Position „Veterinär- und andere Dienstleistungen für Haustiere“, und Tabelle 61111-0001 (Gesamtindex), Stand 21.09.2026; 2026 aus den Monatswerten. Gebühren: Gebührenordnung für Tierärzte in den Fassungen von 1999 (BGBl. 1999 I S. 1691), 2008 (BGBl. 2008 I S. 1110), 2017 (BGBl. 2017 I S. 2696) und 2022 (gesetze-im-internet.de); Untersuchung Nr. 20 bzw. Nr. 4 und 16, Impfung Nr. 602, Injektion Nr. 504 bzw. Nr. 212 und 221. Der Warenkorb, die Jahresdurchschnitte nach Geltungstagen und alle Veränderungsraten sind berechnet. Maß: Statistisches Amt München, 2026 nach der Bilanz der Stadt, 2020 und 2021 linear gerechnet. Der Datensatz steht im Studio als „Tierarzt, Inflation und Maß“.