Tiermedizin in Zahlen

Sonderauswertung

Überstunden in der Tierarztpraxis: was die Zahlen zeigen

Sieben von zehn angestellten Tierärztinnen und Tierärzten machen Überstunden, im Mittel 3 Stunden pro Woche, ein Viertel kommt auf 5 Stunden oder mehr. Das zeigt eine Befragung des Bundes angestellter Tierärzte unter bis zu 1.184 Angestellten Ende 2025. Praxisinhaberinnen und -inhaber arbeiten laut dem Gutachten zur Gebührenordnung im Mittel 50 Stunden pro Woche, davon rund 22 nicht am Tier, sondern in Verwaltung, Personal und Fahrten. Eine amtliche Arbeitszeitstatistik für die Tiermedizin gibt es nicht; alle Zahlen hier stammen aus Befragungen.

Stand 9. Oktober 2026 · von Thomas Freimoser · auf LinkedIn seit 9. Oktober 2026

Das Wichtigste in Kürze

Überstunden, Notdienst, keine Pause

Bild 1 von 5: Unter angestellten Tierärztinnen und Tierärzten machen 75 Prozent Nacht- oder Wochenenddienste und 70 Prozent Überstunden, 40 Prozent schaffen mindestens einmal pro Woche ihre Pause nicht, 22 Prozent arbeiten mindestens einmal pro Woche länger als 10 Stunden, bei 17 Prozent verfallen Überstunden (Befragung Ende 2025)
Bild 1 von 5: Unter angestellten Tierärztinnen und Tierärzten machen 75 Prozent Nacht- oder Wochenenddienste und 70 Prozent Überstunden, 40 Prozent schaffen mindestens einmal pro Woche ihre Pause nicht, 22 Prozent arbeiten mindestens einmal pro Woche länger als 10 Stunden, bei 17 Prozent verfallen Überstunden (Befragung Ende 2025)

Die Befragung des Bundes angestellter Tierärzte lief von September bis Dezember 2025 online; ausgewertet ist sie in einem Fachartikel von Jensen und anderen in der Zeitschrift Veterinary Sciences. Geantwortet haben bis zu 1.184 Angestellte, rund 6 Prozent aller angestellten Tierärztinnen und Tierärzte in Deutschland. Vertraglich vereinbart waren im Median 35 Wochenstunden, gut die Hälfte der Befragten (54,6 Prozent) arbeitet in Teilzeit, also unter 38 Stunden. Überstunden machen trotzdem 70 Prozent; nur 30,1 Prozent gaben an, keine zu leisten.

Das Arbeitszeitgesetz erlaubt werktäglich 8 Stunden, höchstens 10, wenn der Durchschnitt über sechs Monate wieder bei 8 liegt. Wer mehr als sechs Stunden arbeitet, hat Anspruch auf mindestens 30 Minuten Pause, zwischen zwei Arbeitstagen liegen mindestens 11 Stunden Ruhezeit. In der Befragung lag gut ein Fünftel (22,1 Prozent) mindestens einmal pro Woche über 10 Stunden, und rund 40 Prozent kamen mindestens einmal pro Woche nicht zu ihrer Pause. 16,4 Prozent gaben an, dass ihre Praxis die Arbeitszeit gar nicht erfasst.

Wie viel der Woche am Tier bleibt

Bild 2 von 5: Praxisinhaber arbeiten 50 Stunden pro Woche, davon 28 am Tier und in der Beratung und 22 in Verwaltung, Personal, Fahrten und Sonstigem; Angestellte 35 Stunden, davon 24 und 11 (berechnet aus Mittelwerten, Befragung 2020)
Bild 2 von 5: Praxisinhaber arbeiten 50 Stunden pro Woche, davon 28 am Tier und in der Beratung und 22 in Verwaltung, Personal, Fahrten und Sonstigem; Angestellte 35 Stunden, davon 24 und 11 (berechnet aus Mittelwerten, Befragung 2020)

Für das Gutachten zur Gebührenordnung für Tierärzte hat das Beratungsunternehmen AFC im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums 2020 rund 1.300 praktizierende Tierärztinnen und Tierärzte online befragt; der Bericht stuft die Teilnehmenden als repräsentativ ein. Praxisinhaber gaben im Mittel 50,4 Wochenstunden an, Angestellte 35,1. Am Tier und in der Beratung der Halter, im Gutachten „produktive Arbeitszeit“ genannt, waren davon im Mittel 56 beziehungsweise 69 Prozent. Der Rest geht laut Gutachten in administrative Prozesse, Personalmanagement, Fahrten und Rüstzeiten.

Rechnet man beides zusammen, bleiben Inhabern rund 28 Stunden am Tier, gut 22 Stunden gehen in die übrige Arbeit. Bei Angestellten sind es 24 und 11 Stunden. Diese Stunden sind aus Mittelwerten berechnet, nicht einzeln erhoben. Sehr lange Wochen sind bei Angestellten im Gutachten selten: Nur rund 2 Prozent gaben 50 Stunden oder mehr an. Bei den Inhabern lagen die meisten Angaben zwischen 40 und 49 Stunden, die zweitgrößte Gruppe zwischen 50 und 59.

Am meisten Überstunden bei Pferd und Nutztier

Bild 3 von 5: Überstunden pro Woche im Median nach Tätigkeitsbereich: Pferde 5 Stunden, Nutztiere 4 Stunden, Kleintiere und nicht kurativ Tätige 2 Stunden (Befragung Ende 2025)
Bild 3 von 5: Überstunden pro Woche im Median nach Tätigkeitsbereich: Pferde 5 Stunden, Nutztiere 4 Stunden, Kleintiere und nicht kurativ Tätige 2 Stunden (Befragung Ende 2025)

Wie viele Überstunden anfallen, hängt am Fachgebiet. Im Median sind es in der Pferdepraxis 5 Stunden pro Woche, in der Nutztierpraxis 4, bei Kleintieren und außerhalb der kurativen Praxis 2. Dort ist auch der Notdienst fast die Regel: 93 Prozent der Angestellten mit Schwerpunkt Pferd und 89,5 Prozent mit Schwerpunkt Nutztier leisten ihn. Von allen, die Notdienst haben, kommen 27,2 Prozent auf fünf oder mehr Nachtdienste im Monat. Wie sich die Zahl der Nutztierpraxen entwickelt hat, steht im Artikel Tierarztmangel in Deutschland.

Auch die Praxisform macht einen Unterschied. Wer bei einer Unternehmensgruppe angestellt ist, macht im Median 3 Überstunden pro Woche, in inhabergeführten Praxen sind es 2. Das vertragliche Gehalt war bei den Gruppen teils höher, der Vorteil verschwand aber, wenn die Studie die tatsächlich geleistete Arbeitszeit einrechnete. Wem die Gruppen gehören, zeigt der Artikel Tierarztketten und Investoren, was die Stunden wert sind, der Artikel Gehalt Tierarzt.

Was aus den Überstunden wird

Bild 4 von 5: Was aus den Überstunden wird, Mehrfachnennung möglich: 41 Prozent Freizeit nach eigener Wahl, 38 Prozent Freizeitausgleich nach Vorgabe der Praxis, 25 Prozent werden ausbezahlt, bei 17 Prozent verfallen sie, 3 Prozent bekommen einen Bonus (Befragung Ende 2025)
Bild 4 von 5: Was aus den Überstunden wird, Mehrfachnennung möglich: 41 Prozent Freizeit nach eigener Wahl, 38 Prozent Freizeitausgleich nach Vorgabe der Praxis, 25 Prozent werden ausbezahlt, bei 17 Prozent verfallen sie, 3 Prozent bekommen einen Bonus (Befragung Ende 2025)

Bei dieser Frage waren mehrere Antworten möglich. 40,9 Prozent können Überstunden nach eigener Wahl abbauen, 38,2 Prozent bekommen Freizeitausgleich nach Vorgabe der Praxis. Ausbezahlt werden sie bei 24,9 Prozent, einen Bonus erhalten 2,7 Prozent. Bei 17,4 Prozent verfallen Überstunden. Zur Erfassung der Arbeitszeit sagten 73,4 Prozent, die Praxis habe ein System dafür; 2,6 Prozent sollen arbeiten, ohne ihre Stunden zu dokumentieren.

Berichte, Befunde, Rückrufe

Bild 5 von 5: Berichte für die Klinik, Befunde zur Rücküberweisung, Rückrufe bei Haltern stecken in den Zahlen unter Verwaltung; wie viel davon nach Feierabend passiert, dazu gibt es für Deutschland keine Zahlen
Bild 5 von 5: Berichte für die Klinik, Befunde zur Rücküberweisung, Rückrufe bei Haltern stecken in den Zahlen unter Verwaltung; wie viel davon nach Feierabend passiert, dazu gibt es für Deutschland keine Zahlen

Überweisungsberichte für die Klinik, Befunde zur Rücküberweisung, Rückrufe bei Halterinnen und Haltern, die Abrechnung: In den Befragungen steckt all das unter Verwaltung. Wie viel Zeit diese Schreibarbeit einzeln kostet und wie viel davon nach Feierabend erledigt wird, dazu haben wir für Deutschland keine Zahlen gefunden (Recherche am 9. Oktober 2026). Für Praxisinhaber zeigt das Gutachten nur die Summe: 44 Prozent ihrer Arbeitszeit sind nicht am Tier. Wie alt die Inhaber sind und wer ihre Praxen übernimmt, steht im Artikel Nachfolge in der Tierarztpraxis.

Drei Befragungen im Vergleich

BefragungZeitraumBefragteWochenstundenKernbefund
Bund angestellter Tierärzte (Jensen u. a. 2026)Sep. bis Dez. 2025bis 1.184 Angestelltevertraglich 35 (Median)70 % machen Überstunden, 22 % mindestens wöchentlich über 10 Stunden
Gutachten zur GOT (AFC für das BMEL)2020rund 1.300 PraktizierendeInhaber 50,4, Angestellte 35,1 (Mittel)56 bzw. 69 % der Zeit am Tier
Freie Universität Berlin (Kersebohm, Doherr u. a.)Frühjahr 20161.930 PraktizierendeVollzeit 50 (Median)fast die Hälfte der Angestellten über der gesetzlichen Höchstarbeitszeit

Die drei Befragungen fragen Unterschiedliches und lassen sich nicht als Zeitreihe lesen. Wo sie sich überschneiden, passen sie zusammen: Die rund 50 Wochenstunden der Inhaber im Gutachten entsprechen dem Median von 50 Stunden, den die Berliner Befragung 2016 für Vollzeit-Praktiker fand. Gegenläufig wirkt ein anderer Befund: 2016 arbeitete fast die Hälfte der Angestellten länger als gesetzlich erlaubt, im Gutachten von 2020 gaben nur rund 2 Prozent der Angestellten 50 Stunden oder mehr an. Die Teilzeit, die heute gut die Hälfte der Angestellten betrifft, kann einen Teil davon erklären; belegen lässt sich das aus so verschiedenen Befragungen nicht.

Was die Zahl nicht sagt

Häufige Fragen

Wie viele Überstunden machen Tierärztinnen und Tierärzte?

In der Befragung des Bundes angestellter Tierärzte Ende 2025 machten 70 Prozent der Angestellten Überstunden, im Mittel 3 Stunden pro Woche. Ein Viertel kam auf 5 Stunden oder mehr, in der Pferdepraxis lag der Median bei 5, in der Nutztierpraxis bei 4 Stunden.

Wie lange arbeiten Praxisinhaber pro Woche?

Im Gutachten zur Gebührenordnung gaben Praxisinhaber 2020 im Mittel 50,4 Wochenstunden an. Davon waren 56 Prozent Zeit am Tier und in der Beratung, rund 22 Stunden gingen in Verwaltung, Personal und Fahrten.

Was erlaubt das Arbeitszeitgesetz?

Werktäglich 8 Stunden, höchstens 10, wenn der Durchschnitt über sechs Monate bei 8 Stunden bleibt; bei mehr als sechs Stunden Arbeit mindestens 30 Minuten Pause und zwischen zwei Arbeitstagen mindestens 11 Stunden Ruhezeit. Ausnahmen sind über Tarifverträge möglich. Das Gesetz gilt für Angestellte, nicht für Praxisinhaber.

Gibt es eine amtliche Statistik zur Arbeitszeit in der Tiermedizin?

Nein. Die Bundestierärztekammer zählt Personen, keine Stunden. Deutschlandweite Daten zur Arbeitszeit gibt es nicht, nur Stichproben aus einzelnen Befragungen, wie auch der Bericht des Fachportals vetline zum Tierärzte Atlas festhält. Wie viele Tierärztinnen und Tierärzte es gibt, steht im Artikel Wie viele Tierärzte gibt es in Deutschland?.

Quelle und Methode

Gerechnet sind die Stunden in Bild 2 (Wochenstunden mal Anteil am Tier, Mittelwerte) und die 70 Prozent mit Überstunden (100 minus 30,1 Prozent ohne Überstunden). Die Prozentwerte in den Bildern sind auf ganze Zahlen gerundet, im Text stehen sie mit Nachkommastelle. Die Bilder entstehen mit einem Skript aus einer Datei mit allen Werten und ihrer Fundstelle. Mehr unter Datenherkunft.