Tiermedizin in Zahlen

Visite 1 · Post 2: Die Kleintierpraxis wird zum Normalfall

Niedergelassene Tierärzte in Deutschland 2025: 11.216

Ende 2025 gab es in Deutschland 11.216 niedergelassene Tierärztinnen und Tierärzte, also Inhaberinnen und Inhaber einer eigenen Praxis. 5.930 von ihnen führten eine reine Kleintierpraxis – 52,9 Prozent aller Niedergelassenen und 54,4 Prozent derer, die ihren Schwerpunkt angegeben haben (berechnet aus der Statistik der Bundestierärztekammer). 1991 war noch die gemischte Praxis für Nutz- und Kleintiere mit 4.086 Inhabern der Regelfall, reine Kleintierpraxen führten 2.298.

Stand 23. September 2026 · von Thomas Freimoser · auf LinkedIn seit 17. September 2026

Das Wichtigste in Kürze

Wie die gemischte Praxis ihren Vorrang verlor

JahrNur KleintiereGemischtNur Nutz- und GroßtiereAnteil Kleintiere
19912.2984.0861.85927,9 %
20024.4194.4191.63742,2 %
20075.3374.6671.43846,6 %
20145.9944.7731.16650,2 %
20186.1424.55497152,6 %
20195.9123.3811.71353,7 %
20255.9303.0311.93254,4 %

Anteil an allen Inhaberinnen und Inhabern mit Schwerpunktangabe, berechnet. Zwischen 2018 und 2019 liegt ein Methodenbruch.

Interessant ist, auf wessen Kosten die Kleintierpraxis gewachsen ist – und dass sich das über die Zeit geändert hat. Von 1991 bis 2004 sanken beide anderen Gruppen etwa gleich stark: die gemischten Praxen von 49,6 auf 40,9 Prozent, die reinen Nutz- und Großtierpraxen von 22,6 auf 15,4 Prozent. Von 2007 bis 2015 dagegen blieb der Anteil der gemischten Praxen nahezu konstant zwischen 40,0 und 40,8 Prozent. Der Zuwachs der Kleintierpraxen von 46,6 auf 50,4 Prozent kam in dieser Phase rechnerisch zum größten Teil aus den reinen Nutz- und Großtierpraxen, deren Anteil von 12,6 auf 9,6 Prozent fiel.

Die Statistik verknüpft diese Entwicklung nicht mit den Tieren. Zeitlich läuft sie aber parallel zu dem, was der Artikel Heimtiere in Deutschland seit 1991 zeigt: Hunde und Katzen zusammen nahmen von 9,9 Millionen im Jahr 1991 auf 25,7 Millionen im Jahr 2025 zu, auch wenn ein Teil davon ein Methodenwechsel ist.

Auch Kleintierpraxen werden inzwischen weniger

Seit ihrem Höchststand 2019 sinkt die Zahl der Praxisinhaber insgesamt (mehr dazu im Artikel Angestellte überholen die Praxisinhaber). Davon sind auch die Kleintierpraxen betroffen, nur schwächer. Ob daraus ein Tierarztmangel folgt, prüft der Artikel Tierarztmangel in Deutschland. Vergleichen lassen sich dafür am besten 2020 und 2025, weil in beiden Jahren ein ähnlicher Anteil der Inhaber die Schwerpunktfrage beantwortet hat, 96,5 und 97,1 Prozent.

Alle Veränderungen sind berechnet. Die Kleintierpraxis gewinnt also weiter Anteile, aber nicht mehr, weil sie wächst, sondern weil sie langsamer schrumpft als die gemischte Praxis. Warum die Nutz- und Pferdepraxen seit 2019 zulegen und was davon echt ist, behandelt der Artikel Was aus der Nutztierpraxis geworden ist.

Was die Zahl nicht sagt

Häufige Fragen

Wie viele niedergelassene Tierärzte gibt es in Deutschland?

Ende 2025 waren es 11.216. Davon gaben 5.930 eine reine Kleintierpraxis an, 3.031 eine gemischte Praxis und 1.932 eine reine Nutztier- oder Pferdepraxis; 323 machten keine Angabe (berechnet).

Quelle und Methode

Statistik der Deutschen Tierärzteschaft der Bundestierärztekammer, Deutsches Tierärzteblatt, Stichtag jeweils 31. Dezember, Zeitraum 1991 bis 2025; 1991 bis 1995 zitiert nach Maure (1998). Ab 2019 sind die sieben neuen Kategorien auf die alte Dreiteilung abgebildet: Nutztiere, Pferde sowie Nutztiere und Pferde bilden die reinen Nutz- und Großtierpraxen, alle Kombinationen mit Kleintieren die gemischten. Gegenprobe: Für 2023 nennt die Kammer mehr als 50 Prozent Kleintierpraxen und gut ein Viertel Gemischtpraxen, diese Zuordnung ergibt 53,9 und 28,8 Prozent. Berechnet sind alle Anteile und Veränderungsraten. Mehr unter Datenherkunft.